FriendFeed, Twitter und warum Jaiku noch Chancen hat


Published on Juni 9th, 2008
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Twitter (mein Account bei Twitter ist übrigens mooose, falls mich jemand hinzufügen will) kommt ja grad in letzter Zeit ziemlich unter die Räder. Nicht nur Michael Arrington macht sich so seine Gedanken, nein es gibt mittlerweile auch schon Comics wie von Thomas Frütel verlinkt, die sich über Twitter lustig machen.

Twitter war ja bereits letztes Jahr sogar in Deutschland ein Hype, zumindest unter den Early Adopters und wurde zur diesjährigen re:publica nochmal ordentlich gehypt. Twitter macht einfach Spass und scheint eine Fortsetzung von Chaträumen, IRC und Instant Messaging auf einmal zu sein. Wobei natürlich Twitter keines der Tools wirklich ersetzen kann und sicherlich auch nicht will, sondern es erinnert mit seinem indirekt offen Chatraum einfach nur daran. Die “Chaträume” bilden sich bei Twitter durch die Friend/Follower Vernetzung und sind nicht in Stein gemeißelt, sondern bilden lockere Verbunde.

Ähnlich wie es früher bei den Blogs noch stärker der Fall war, hat sich inzwischen einiges auf die Twitterplattform bewegt, denn kurze Links, Anmerkungen oder einfach nur das allmorgendliche “Guten Morgen” finden auf Twitter deutlich mehr Gehör und Leser, als auf den Blogs, bei denen die “heutigen Links auf <you-name-it>-Bookmark-Dienst” einfach nur langweilig sind. Microblogging heisst das wohl in der Fachsprache und oft erinnert es auch die SMS-Gespräche, die man zwischen zwei Teenies beobachten kann, wenn sie in der U-Bahn über den Gang geführt werden.

Twitter hat also Probleme und die scheinen einfach nicht besser zu werden. Einerseits wird unter Ruby-On-Rails Hassern und Liebhabern eifrig drüber diskutiert, ob denn die Lieblingssprache der Web2.0 Economy daran Schuld sein könnte oder ob es einfach nur daran liegt, dass die Leute von Twitter, die bereits Blogger.com aus der Taufe gehoben habe, bevor Google etliche Millionen dafür auf den Tisch gelegt hat, einfach ein unzureichend skalierendes System gebaut haben.

Schaut man sich im Gegensatz dazu FriendFeed an, das wohl “das nächste grosse Ding” nach Twitter werden könnte, auch wenn es sicherlich noch ein Jahr dauern wird, bis auch in Deutschland über FriendFeed so gesprochen wird, wie jetzt über Blogs, dann scheint auf der LifeStreaming Plattform, die nicht nur Twitter-Meldungen wunderbar einbinden kann, sondern alles was einen RSS-Feed bietet bzw. eine API, die die FriendFeedler für würdig gefunden haben, einiges besser zu Laufen oder liegt es einfach nur daran, dass FriendFeed noch nicht die Größe von Twitter erreicht hat.

Twitter konnte unter anderem so schnell wachsen, weil bereits von Anfang an eine API bereit stand, die den Zugriff auf die Micromeldungen möglich gemacht hat. Durch seine offene API hat Twitter bereits frühzeitig viele Entwickler dazu angeregt, kleine Anwendungen zu schreiben, die auf Twitter aufbauen und kleine nützliche Zusatzdienste anbieten. Sei es Tweetscan, TwitPic oder auch TwitterLinkr (von Peter Schink) oder die ganzen Desktop Tools wie Twhirl, Tweeble und wie sie alle heißen mögen. Zusätzlich betreibt ja Twitter nicht nur einen Website, auf der die Nachrichten aufschlagen, sondern verteilt über unterschiedliche Wege die Nachrichten an die Leser, bzw. an die Follower weiter. Dabei werden sowohl SMS, als auch Instant Messaging Dienste wie Jabber / GTalk und anderen unterstützt. Diese Verteildienste können jedoch sehr gut ausgelagert werden und skalieren damit wunderbar.

Anders sieht es allerdings mit den durch die API-verursachten Traffic aus, der von die vielen Twitter-Clients ausgelöst wird. Der Zugriff auf die API wurde bisher meines Wissens zweimal gedrosselt, nachdem er Anfangs frei war. Bis vor kurzem konnte ein Twitter-Client bis zu 70 mal pro Stunde einen Twitter-Stream in Form einer XML-, RSS- oder JSON-Datei abholen und weiterverarbeiten. Jetzt wurde die Frequenz auf 30 mal pro Stunde gedrosselt.

Im Augenblick ist meine Vermutung, dass Twitter einerseits zwar durch die API gewachsen ist, aber dass die API für Twitter nun auch der Flaschenhals wird. Schaut man sich einige Twitterstatistiken an wie beispielsweise die Länderverteilung, die Robert zusammengestellt hat, bekommt man auch eine Aussage über die Anzahl Tweets im April 2008 auf Twitter. Nun sind 200000 Tweets nicht so viel. Im Schnitt sind das rund 2,3 Tweets in der Sekunde. Also nicht wenig, aber auch nicht sonderlich viel. Rechnet man aber jetzt mal weiter, daß von diese aktiven Twitterer auch wieder wissen wollen, was Ihre Friends erzählen, kann man davon ausgehen, dass wenigstens die Hälfte einen Zugriff auf Twitter macht. Wenn das nun über die API mit Hilfe eines Clients erfolgt, dann sind das mindestens die 30 Abfragen pro Stunde. Grob gerechnet macht das 100000 (die Hälfte der aktiven) und davon etwa 2/3 per Client, statt über die Website, kommt man auf 66000 * 30 Zugriffe also rund 2 Millionen Zugriffe pro Std. über die Clients. Dass dabei nicht jeder Twitterer volle 24 Stunden mitliest und somit seinen Rechner auch nicht immer am Laufen hat, rechnen wir einfach mit 6 Std. pro Tag. Also sind wir bereits bei 12 Millionen Zugriffe über die API. Runtergebrochen auf die Stunde kommt wir auf 500.000 Zugriffe bzw. knapp 140 pro Sekunde. Selbst wenn ich übertriebe habe, ist das gar nicht so wenig aus meiner Sicht. Glückerweise hat Twitter bereits sämtliche Zugriffe auf die Bilder zu Amazons-S3-Dienst ausgelagert.

Robert hat die Zugriffe von SchülerVZ angeführt. Robert zitiert rund 300 Mio. Visits pro Monat. Meine obige Rechnung mal als wahr angenommen, komme ich bei einer Rechnung von 100 Zugriffen pro Sekunde auf rund 250 Mio Abfragen auf die API. Selbst wenn ich mit meinen Zahlen um eine 10er Potenz falsch liege, sind das noch eine ganze Menge Zugriffe (25 Mio), die Twitter da zu verarbeiten hat. Soweit meine Gedanken zu Twitter und den Anforderungen. Update: Auch wenn jetzt, wie Robert inzwischen geschrieben hat, Twitter wegen der Apple WWDC aufgerüstet hat, wird das wohl bei Twitter nicht zu einem nachhaltigen Erfolg führen.

FriendFeed hat hier sicherlich ebenfalls einiges zu leisten, da dort zusätzlich RSS-Feeds und API-Abfragen auf die angeschlossenen Web2.0 Dienste hinzukommen. Allerdings ist FriendFeed derzeit noch nicht so populär wie Twitter. Hier meine FriendFeed Seite.

Vergleich Twitter / FriendFeedWie man auf compete recht deutlich sieht, hat FriendFeed noch einiges aufzuholen, allerdings ist die Zuwachsrate (Juni 2008) bei Twitter knapp 15% und bei FriendFeed 45%. FriendFeed hat auch ein spannenderes Web-Interface und ich geh mal davon aus, dass dort deutlich mehr auf der Website abläuft als über die APi, die FriendFeed ebenfalls zur Verfügung stellt.

Bisher hab ich auch keine Klagen über die Verfügbarkeit von FriendFeed gehört und ich vermute auch mal, dass sich die drei ehemaligen Google Mitarbeiter bereits im Vorfeld einige Gedanken zur Skalierbarkeit ihrer Anwendung gemacht haben, denn genügend Anschauungsmaterial hatten sie sicherlich, wenn man bedenkt, dass unter anderem bei der Entwicklung von GMail mitgearbeitet wurde. Jetzt aber zum letzten Punkt.

Warum hat Jaiku noch eine Chance

Jaiku wurde vor einiger Zeit von Google übernommen und seither sind bei dem Dienst keine Neuanmeldungen mehr möglich, wie diese nach der Übernahme von Google meist der Fall ist. Jaiku gehört ebenfalls zu den Microblogging-Diensten, zusätzlich stehen Clienten für Smartphones von Nokia mit S60 bereit. Jaiku erlaubt auch zu aggregieren, sprich eigene RSS-Feeds können eingebunden werden und somit kann mit Jaiku auch bereits ein gewisses LifeStreaming betrieben werden. Zusätzlich können Kommentare direkt zu Jaikus hinzugefügt werden und nicht zuletzt verfügt Jaiku bereits über Channels, die wohl ein wenig mit den Rooms von FriendFeed zu vergleichen sind.

Also ideale Voraussetzungen um in Konkurrenz treten zu können. Ende Mai haben sich die Jaiku-Entwickler im Blog zu Wort gemeldet und bestätigt, dass sie wohl doch noch dran sind, Jaiku auf die Google Plattform zu haben. Jaiku wird laut dortiger Aussage auf der Google App Engine laufen. Googles App Engine steht die ganze Infrastruktur von Google zur Verfügung. Also eine Umgebung, die auf Python basiert und die auf BigTable zugreifen kann, um die Datenmengen, die bei Jaiku entstehen werden, effizient, skalierbar und schnell zu verwalten. Wer sich mal ein wenig genauer mit BigTable auseinander setzen will, dem empfehle ich das folgende Video von Google, das recht differenziert erklärt, was sich hinter der Storage Engine BigTable verbirgt. Interessant wird es etwa ab Minute 10.

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

BigTable zusammen mit dem Google File System stellen eine solide Basis für eine ganze Reihe von Google Anwendungen dar. Durch die Möglichkeit BigTable auf einem Cluster mit einer großen Anzahl Maschinen laufen zu lassen, besteht eine sehr einfache Möglichkeit der Skalierung. Wenn dagegen eine “normale” Datenbank wie mySQL genutzt wird, gibt es zwar auch hier Skalierungmöglichkeiten, allerdings gehen die sicherlich nicht so weit wie Googles BigTable Ansatz. Und dass Google auf viele Anfragen in kürzester Zeit reagieren kann, kennt jeder, der eine der Google Anwendungen nutzt. Somit wäre das bereits der erste Vorteil für Jaiku. Der zweite Vorteil liegt sicherlich in der enormen Verbreitung von Google. Sobald Jaiku wieder neue Benutzer registriert, kann sich das wie ein Lauffeuer verbreiten. Viele Early Adaptors habe ich auch schon auf Jaiku gesehen und ich selbst bin auf Jaiku auch zu finden.

Google verfügt bereits über die Resourcen SMS zu versenden, denn beispielsweise kann man sich im Google Kalender an Termine auch per SMS erinnern lassen. Ebenso besteht eine gute Verbindung via Jabber-Protokol um auch die IM-Dienste anbinden zu können. Der schwierigste Part war sicherlich die Umsetzung von Jaiku in die Google App Engine Umgebung, aber das sollte eigentlich nicht mehr lange dauern, bis es tatsächlich so weit ist und Jaiku für alle wieder zur Verfügung steht. Und nicht zuletzt kann Jaiku sehr leicht über das Single Sign On von Google für alle bereits vorhandenen Google Konten verbreitet werden. Man denke nur an die ganzen GMail-Benutzer.

Aber das Ganze nützt natürlich wenig, wenn eine Anwendung von den Nutzern nicht angenommen wird. Google hat in dieser Hinsicht schon vieles probiert und nicht jede Anwendung ist ein Renner geworden. Andererseits könnte Jaiku auf Android, der Entwicklungsumgebung des Mobile-Betriebssystems für Google sicherlich auch eine Rolle spielen, sich auch hier ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Also fassen wir nochmal kurz die einzelnen Punkte zusammen:

  • Jaiku verfügt über eine enorm skalierbare Plattform mit einer redundanten Datenbankumgebung namens BigTable
  • Jaiku kann SMS und Jabber/GTalk Resourcen direkt einbinden
  • Jaiku hat gute Chancen auf Android portiert zu werden als Killeranwendung um von Überall Microblogging zu betreiben
  • Jaiku kann sich das SingleSignOn von Googles Anwendungen wie GMail usw. zu nutze machen und
  • Jaiku hat Features wie Channels, Kommentare und die Einbindung von LifeStreams, die es attraktiv machen
  • und nicht zuletzt steht eine Suchtechnologie bereit, die ideal für Jaikus und hashtags ist

Somit wäre also alles vorhanden, was ein ordentlicher Twitter Clone bräuchte. Jetzt muss der Dienst nur noch Starten.


Comments

Reader Comments:

  1. Twitter holt sich “Schweres Geschütz” an Bord :: hirschgarden wrote on Juni 13th, 2008

    [...] nun Twitter alle Felle wegschwimmen, weil die HassLiebe in Hass umgeschlägt oder weil die Konkurrenz auch nicht schläft oder weil sie endlich aufgewacht sind. Wer weiss das schon. Aber Twitter hat sich nun einige [...]

  2. Gnip - Zentralbahnhof oder Universal-Übersetzer fürs Web2.0? :: RSS Blogger wrote on Juli 2nd, 2008

    [...] deutlich anspruchsvoller, als Viele wahr haben wollen. Dazu habe ich vor einigen Tagen bereits auf meinem privaten Blog schon einiges [...]

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